Besucherwerkstatt Holcim Werk, Siggenthal
Offener Wettbewerb, 2025
4.Rang
In Zusammenarbeit mit: LPA GmbH, Eva Wagner Szenografie, Dr. Schwarz Consulting GmbH
Standort: Untersiggenthal, AG
Bauherrschaft: Holcim
Bauaufgabe: Besucherwerkstatt mit Ausstellungs- und Präsentationsräumen, Szenographisches Konzept
Visualisierungen: LPA, Studio Luv, Eva Wagner Szenografie
Im Inneren entsteht eine offene, stützenfreie Raumlandschaft, in der Veranstaltungs-, Ausstellungs-, Präsentations- und Werkstattbereiche fliessend ineinander übergehen. Die ehemaligen Siloelemente strukturieren die Räume und schaffen eine unmittelbare Verbindung zur Industriearchitektur des Standorts. Flexible Einbauten ermöglichen unterschiedliche Nutzungsformen, während Werkstatt, Nebenräume und Anlieferung funktional in das Gesamtkonzept integriert sind.
Das Nachhaltigkeitskonzept basiert auf der konsequenten Wiederverwendung von Bauteilen und einer ressourcenschonenden Konstruktion. Ergänzend reduzieren eine kompakte Gebäudeform, eine schlanke Gebäudehülle, passive Kühlung über den Kamineffekt, die Nutzung der Abwärme des Areals sowie Photovoltaik auf dem Dach den Energiebedarf und die CO₂-Emissionen erheblich.
Die Ausstellung vermittelt die Themen Beton, Kreislaufwirtschaft und innovative Bautechnologien durch eine Kombination aus digitalen Medien, Modellen und Originalmaterialien. Flexible Bewehrungsgitter strukturieren die Ausstellung und ermöglichen unterschiedliche Rundgänge. In der angeschlossenen Werkstatt können Besucherinnen und Besucher das vermittelte Wissen praktisch anwenden – vom Giessen eines eigenen Betonobjekts bis zum Experimentieren mit ressourcenschonenden Betonmischungen oder dem Erleben von Re-Use-Konstruktionen anhand interaktiver Exponate. Modelle, Materialproben und interaktive Stationen machen zudem die Produktionsprozesse des Werks anschaulich und unmittelbar erfahrbar.
Die Besucherwerkstatt RE:LAB versteht sich als Pilotprojekt für zirkuläres Bauen und zeigt auf, wie wiederverwendete Betonbauteile als primäre Tragstruktur eingesetzt werden können. Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Recherche nach rückgebauten Bauteilen mit grosser Spannweite. Aus stillgelegten Industrie- und Landwirtschaftssilos entstehen Betonringe sowie Wand- und Stützenelemente, die mit neuen Betonen zu einem leistungsfähigen Tragwerk verbunden werden. Der bewusste Kontrast zwischen wiederverwendeten und neuen Bauteilen bleibt sichtbar und prägt den architektonischen Ausdruck.
Der Neubau bildet einen markanten Auftakt zum Holcim-Areal und führt Besucherinnen und Besucher intuitiv vom Eingang in das Werksgelände. Ein grosszügiger Vorplatz, überdachte Aussenbereiche sowie eine schwellenlose Erschliessung auf beiden Geschossen sorgen für eine klare Organisation und eine hohe Aufenthaltsqualität. Die verbleibenden Freiflächen werden naturnah gestaltet und als ökologische Ausgleichsflächen genutzt.
Das Tragwerk kombiniert wiederverwendete Betonringe, rückgebaute Deckenplatten und neue Betonelemente zu einer kassettenartigen Struktur. Das entwickelte Bauprinzip ist flexibel auf unterschiedliche verfügbare Bauteile übertragbar und demonstriert exemplarisch das Potenzial des Re-Use im konstruktiven Betonbau.