Neubau Tagesstruktur und Kindergarten Halden, St.Gallen

Offener Wettbewerb, 2025

In Zusammenarbeit mit: LPA GmbH
Standort: Halden, St.Gallen
Bauherrschaft: Hochbauamt St.Gallen
Bauaufgabe: 4 Tagesstrukturen mit Schulküche und ein Kindergarten
Visualisierungen: Indievisual (Aussenraum), LPA + Studio Luv (Innenräume)

Der Entwurf versteht Nachhaltigkeit als grundlegendes städtebauliches und architektonisches Prinzip. Der kompakte, dreigeschossige Baukörper mit minimalem Fussabdruck erhält bestehende Bäume, wertvolle Grünflächen und die Magerwiese vollständig. Durch den Verzicht auf einen massiven Sockel und ein Untergeschoss wird das Gebäude als leichter Pfahlbau ausgebildet, wodurch der Eingriff in den Boden minimiert und der CO₂-Ausstoss der Erstellung erheblich reduziert wird. Sämtliche neuen Aussenräume bleiben unversiegelt und wasserdurchlässig.

Das Gebäude folgt einem konsequenten Low-Tech-Prinzip mit dem Ziel, den Energiebedarf auf ein Minimum zu reduzieren. Die natürliche Querlüftung, sommerliche Nachtauskühlung über den Kamineffekt, passive Verschattung sowie die Speichermasse der Lehmbauteile sorgen weitgehend ohne mechanische Anlagen für ein angenehmes Raumklima. Den verbleibenden Energiebedarf decken Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade, welche eine weitgehend autarke Stromversorgung ermöglichen.

Die Materialisierung basiert konsequent auf Baustoffen mit einer hervorragenden CO₂-Bilanz. Das Tragwerk aus heimischem Holz, Holz-Lehm-Decken, unverputzte Lehmwände, ein zementfreier Oxacrete-Boden und die Wiederverwendung von Bauteilen minimieren die graue Energie, schaffen ein gesundes Raumklima und ermöglichen eine langlebige, ressourcenschonende und zukunftsfähige Bauweise.

Architektonisch erscheint der Neubau als filigraner, leicht wirkender Holzbau, der präzise zwischen dem Baumbestand positioniert ist. Grosszügige Fensterbänder beziehen den Grünraum in die Innenräume ein, während das sichtbare Holztragwerk und die ruhige Fassadengliederung dem Gebäude eine klare, tektonische Erscheinung verleihen. Im Zentrum des Hauses liegt eine Doppelhelix-Treppe, die als lichtdurchflutete Erschliessung den natürlichen Bewegungsfluss der Kinder aufnimmt, Orientierung schafft und zusammen mit der Eingangshalle das räumliche Herz des Gebäudes bildet.

Das Tragwerk ist als dreigeschossiges Stützen-Riegel-Skelett aus heimischem Fichtenholz konzipiert; ausgewählte Diagonalstäbe übernehmen die Aussteifung, Holz-Lehm-Decken liegen auf Unterzügen aus Brettschichtholz, und nichttragende Innenwände ermöglichen eine flexible Nutzung.

Im Erdgeschoss verbindet eine helle Eingangshalle die unterschiedlichen Bereiche: Küche, Personalräume, Kindergarten und Erschliessung der Tagesbetreuung. Die Küche liegt gut erreichbar beim Eingang und ist funktional mit Lager, Garderobe, WC-Anlagen und Lift verbunden, während der Kindergarten im Südosten über einen eigenen gedeckten Zugang, eine grosszügige Garderobe sowie direkte Bezüge zu Haupt- und Gruppenraum und zum Aussenraum verfügt. Die Tagesbetreuungen in den Obergeschossen werden über die zentrale Treppenanlage erschlossen; die einzelnen Horteinheiten erhalten eigene Adressen, während Garderoben, Rundlauf, Gruppenräume, Themenraum und Sanitärräume eine klare, zugleich spielerische Raumorganisation bilden. Runde Wände, vielfältige Durchgänge und wechselnde Blickbezüge schaffen eine lebendige Abfolge von Räumen, die Bewegung, Orientierung, Rückzug und flexible Nutzungen gleichermassen ermöglichen. Grosszügige Bandfenster öffnen die Innenräume zu den baumbestandenen Aussenräumen, Sitznischen bieten Orte zum Lesen und Beobachten, und die offenen Raumbeziehungen unterstützen die Übersicht im Betreuungsalltag.